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Aufzeichnungen aus dem Kellerloch

 

Schauspiel Fotos monsun theater

Frei nach Fjodor Dostojewski – in einer Bearbeitung von Clemens Mädge
   

Ich bin ein kranker Mensch ... Ich bin ein böser Mensch. Ich besitze nichts Anziehendes. Ich glaube, ich bin leberleidend.

Im St. Petersburg des 19. Jahrhunderts sitzt ein Mensch in einem Kellerloch. Dieser Mensch fängt an zu reden. Redet über die Welt. Er redet über sich selbst. Hadert mit sich und der Welt. Will sich von der Welt lossprechen. Will sich aus dem Lauf der Dinge herausreden. Autark sein. Und scheitert doch stets an sich selbst.
Dostojewskis Erzählung »Aufzeichnungen aus dem Kellerloch« ist eine fein beobachtete psychologische Studie über den Menschen an sich und seine ihm innewohnende Hybris. Die Erzählung geht der Frage nach, ob sich das Individuum gegenüber der Welt abgrenzen kann bzw. sogar muss um weiterhin lebendig zu sein. Eine Abkehr des Kollektivismus, hin zum Individualismus. Gleichzeitig legt Dostojewskij schonungslos dar, wie schwer es für den Einzelnen ist, sich abzugrenzen, die gebildeten Ansichten zu festigen und sie öffentlich auch zu äußern. Der Kellerlochmensch trägt einen Kampf mit sich und seiner Umwelt aus, der angesichts der heutigen indifferenten gesellschaftlichen und politischen Lage aktueller denn je ist.

Eine Eigenproduktion des monsun.theaters.

 

Spiel
Irene Benedict
Stefan Schießleder

Bühne & Text & Regie
Clemens Mädge

                 
Mittwoch
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30.01.2019
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20:00 Uhr
 
   
Donnerstag
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31.01.2019
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20:00 Uhr
 
   
Mittwoch
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17.04.2019
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20:00 Uhr
 
   
Donnerstag
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18.04.2019
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20:00 Uhr
 
   
Donnerstag
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12.09.2019
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20:00 Uhr
 
   
Freitag
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13.09.2019
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20:00 Uhr
 
   
       
       
VVK 15,90 € І 13,40 € · AK 16,50 € І 14,00 €
       
     

Pressestimmen:

Hamburg Theater, Birgit Schmalmack, 03.12.2018

Die überbewusste Maus

Ein Mann leidet an sich und seiner Umgebung. Er hält sich selbst für böse, verkommen und abstoßend und verachtet seine Umgebung. Er kostet sein Leiden in vollen Zügen aus. Er wälzt sich am Boden in seinem Selbstmitleid. Mit seinen vierzig Jahren ist er in ein Kellerloch gezogen, in dem er seitdem nur mit sich selbst, seinen Gedanken und seinen Erinnerungen haust. So braucht er sich mit keinem Gegenüber mehr auseinander zu setzen. So weit zumindest in der Theorie. Doch bald mischt sich in seine Selbstgespräche, die er häufig an ein abwesendes Publikum richtet, eine weitere Person ein. Zunächst nur mit irritierenden Versuche auf einem Brett zu balancieren, ein Brett in der Waagerechten zu halten oder sich selbst mit einer der Arbeitsleuchten in Szene zu setzen. Sie summt leise vor sich hin. So sieht wahre Selbstgenügsamkeit aus. 
Der Mann guckt leicht indigniert, macht dann unverdrossen weiter in seiner Selbstbespiegelung. Doch dann dringen immer weitere Erinnerungen aus seiner Vergangenheit an die Oberfläche und in der Frau findet er das Gegenüber, das seine Schwächen, seine Unfähigkeit und seine Einsamkeit offenbar werden lassen. Sie wird zu seinem Bewusstsein, dem er nicht ausweichen kann. Während die Frau mit sicherer Körperbeherrschung über wackelige Bretter läuft, auf hohe Leitern klettert, klammert der Mann an jeden verfügbaren Haltegriff. Als er über das Bewusstsein der Maus im Vergleich zum Menschen philosophiert, hockt er oben auf einer Klappleiter mit ängstlichem Blick in die Tiefe. Einen Zusammenstoß mit der Wirklichkeit hält sein Gedankengebäude nicht stand.
Clemens Mägde hat den schmalen Roman von Dostojewski zu einem Bühnentext verdichtet und ihn für das Monsun Theater inszeniert. Dabei gelingt ihm mit dem intensiven Spiel von Stefan Schießleder und Irene Benedict eine Umsetzung, die mit wenigen Bühnenmitteln aus einigen Leitern und Brettern einprägsame Bilder schafft und viel Raum für eigene Assoziationen lässt. Eine weitere gelungene Zusammenarbeit zwischen den Autor und Regisseur Mägde und dem Monsun Theater. Ein wunderbar tiefgründiger Abend, dem man viele Zuschauer wünscht.